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Öffi-Tour 2: Rund um den Offensee-Überschreitung

Claudia Schallauer
26.08.2022

Eckdaten zur Öffi-Klettersteig-Wander-Tour:

5-Gipfel-Tour vom Mittereckstüber (Ebensee) über den kleinen und großen Rauher Kogel (Klettersteig), Rinnerhütte, Appelhaus-Woising-Wildensee zum Rinnersee (Ebensee)
 

Tag 1:

  • Anreise mit Zug nach Ebensee-Steinkogel, von dort Wandertaxi nach "Dielleiten" (Kraftwerk)
  • Wanderung über die Hütteneckalm zum Hochkogelhaus - Nächtigung (und Sternenzauber)

Tag 2: 

  • Hochkogel-Klettersteig auf den Doppel-Gipfel Kleiner und Großer Rauher Kogel vor dem Frühstück (wir haben dafür 1 45min. gesamt benötigt,
  • offiziell ist der Klettersteig alleine (ohne Zu- und Abstieg) mit 1,5h angeschrieben; Start 6:00 Uhr
  • Überschreitung mit Rinnerkogel
  • weiter zum Appel-Haus (dort Nächtigung)

Tag 3:

  • Wanderung auf den Woising (2h 45min. hin & retour mit leichtem Gepäck in flottem Gehtempo) vor dem Frühstück
  • Abstieg über den Wildensee und Rinnerhütte zum Offensee
  • Retour mit dem Traunstein-Wandertaxi zum Bahnhof Landungsplatz Ebensee, von dort mit dem Zug
    (ACHTUNG: Funkloch zur Bestellung und Kommunikation mit dem Wandertaxi ist eine Herausforderung!)

Tag 1 im Detail: Bahnhof Ebensee - Hochkogelhaus - Hochkogel - Sterndl Schauen
 

Nach meiner 1. Tour mit dem Traunsee-Almtal-(Wander)-Taxi, wollte ich eine weitere Region damit erkunden: den „Ebensee-Teil“ des Toten Gebirges. Wahlweise vom (Haupt)Bahnhof Landungsplatz oder vom zum Wander-Einstieg näheren Station Steinkogel, kann man den Shuttleservice nutzen – ich empfehle je nach Zug-Ankunftszeit auszuwählen. Das Wandertaxi kann jeweils zur vollen oder halben Stunde bestellt werden. Wählt daher den Bahnhof, der in eurem Fall weniger Wartezeit bedeutet. Bei uns ist dies bei der Hinfahrt „Steinkogel“.

Nach nur 2 Fahrstationen, die aber zur Fuß ein zusätzlicher> 2 Kilometer langer Asphalthatscher wären, steigen wir beim Kraftwerk an der Station Dielleiten aus. (Kurzstrecken bis zu 3 Stationen werden mit € 3,50 verrechnet). Geplant ist, die Fahrtstrecke ev. bis zum Autoparkplatz zu verlängern, was das staubige Stück vom Kraftwerk dorthin ersparen würde (ca. 20 Gehminuten).
 

Nächstes Ziel ist das urige Mittereckstüber, das entweder über den einfacheren Ursprungsweg entlang des Schwarzenbach oder über den Almenweg in ca. 35 Minuten erreicht wird. Direkt hier erscheint übrigens in den meisten Jahren für eine kurze Zeit nach der Schneeschmelze der temporäre Wiesensee (so etwas das oberösterreichische Pendant des steirischen Grüner Sees) - dazu gibt es auch einen Blog-Beitrag!

Wir pausieren nicht sondern wandern motiviert weiter zum heutigen Nächtigungsziel, der herrlich gelegenen Ebenseer Hochkogelhütte. In nur drei Kilometern Wegstrecke fordert diese etwa 900 Höhenmeter und treibt uns an diesem heißen Sommertag den Schweiß auf die Stirn, als wir den schön angelegten Weg emporsteigen.

Früher als geplant (weil alles so gut funktioniert hat) erreichen wir die idyllische Hütte auf 1.558m, wo die Chefin und zwei Mitarbeiter das Gemüse fürs Abendessen schälen. Da wir schon hungrig sind, versüßt uns ein Kuchen die Wartezeit und die Outdoor-Dusche mit der wohl schönsten Aussicht meines Berglebens erfrischt Körper und Geist. Danach ab in den (Doppel-)Liegestuhl und... nichts tun.

Eigentlich hatten wir überlegt, heute früh zu starten und noch den Klettersteig auf den Kleinen und Großen Rauhen Kogel anzuhängen. Da meine Freundin allerdings aus Wien angereist ist, und wir die angegebene Dauer von 2 Stunden reinen Kletterei nicht genau einschätzen können, haben wir am Vortag beschlossen, es gemütlich anzugehen.

Dafür wollen wir nach dem sehr köstlichen Abendessen nach auf den 10-15 Meter entfernten Gipfel des namensgebenden Hausgipfels auf 1.591m. Hier genießen wir bei wolkenlosem Himmel einen herrlichen Sonnenuntergang bevor wir uns wieder zu den etwa zehn weiteren Hausgästen gesellen und die Perseidenschauer beobachten. Die Vernunft treibt mich ins Bett, denn Plan B sieht vor, dass wir den Klettersteig nun VOR dem morgigen Frühstück begehen, welches bis 10:00 Uhr serviert wird.

Tag 2 im Detail: Klettersteig Rauher Kogel - Rinnerkogel - Wildensee - Appel Haus
 

Tagwache ist daher 5:30 Uhr. Wir stapfen los, der Einstieg zum Klettersteig befindet sich etwa 80 Höhenmeter über uns. Im pastellfarbenen Spiel der aufgehenden Sonne und der noch kühlen Temperaturen sind wir rasch dort. Der Ebenseer Hochkogel Klettersteig verläuft über den Doppelgipfel des kleinen und größeren Rauhen Kogels und umfasst gesamt 200 Höhenmeter. Die Schlüsselstelle C/D befindet sich im Aufschwung zum 1. Gipfel, danach folgt ein gesichertes Abklettern in der Schwierigkeit A/B, bevor es wiederum bergauf mit max. C auf den großen Bruder auf knapp unter 1.800 Höhenmeter geht. 

 

Wir genießen den Kletterflow in der Stille des Morgens mit leichtem Gepäck und erreichen beflügelt in nur einer Stunde das 2. Gipfelkreuz (angegeben sind 1,5 bis 2h Kletterzeit, 1,5h ist rmeiner Meinung nach sehr realistisch). Was es in sich hat ist der Abstieg, der gesichert, fast bis unten als „B“ gelegt, sehr rasch an Höhenmetern verlieren lässt. Wir freuen uns, dass dieser Weg repariert wurde und nach der letztjährigen Sperre wieder begehbar ist. Vom Gipfel zwei zur Hütte benötigen wir fast 40 Minuten (angegeben sind hier 30, das halte ich für etwas ambitiös).

 

Lange haben wir überlegt, ob wir uns die redundatente Wegstrecke „antun“ sollen (wofür wir zugunsten des Kletterns mit leichtem Gepäck entschieden hatten). Das phänomenale Frühstück lässt jeden Zweifel im Nichhinein verfliegen. Da wir um 8 Uhr (statt wie vermutet um 9:30 Uhr) zurück sind, investieren wir diese Zeit in das längste und köstlichste Frühstück meiner Hütten-Lebens: einem super fein gewürztem warmen Porridge mit zimtversüßtem Apfelkompott, folgt ein Shakshuka – eines meiner absoluten orientalischen Lieblingsgerichte im Tal, das hätte ich hier nicht erwartet. Wie gut, dass gerade nicht mehr Leute hier genächtigt haben, sonst hätte es ein Buffett statt à la carte gegeben (wobei das sicher auch vom Feinsten wäre).


Gut gestärkt brechen wir um 9:30 Uhr zur großen Überschreitung auf. Die Hitze hat eingesetzt und wir freuen uns, dass wir zumindest im bekannten Wegstück, das etwa 100 Höhemetern und 800 Wegmetern entspricht, großteils noch Schatten herrscht. Im Blick zu unserer rechten das Ziel einiger der anderen Hütten-Nächtiger: der mächtige Schneiderkogel (Hohe Wildenkogel). Wir passieren die Kreuzung, bei dem man rechts zu dessen Ostgrat aufsteigt und ihn dann überschreitet. Unser Weg verläuft gerade, unser Ziel das Appel-Haus, das gerade noch in Weiter Ferne scheint.

Daher fokussieren wir auf das 1. Zwischenziel: den Rinnerkogel. Während dieser beim Aufstieg vom Offensee noch ein ziemliches „Extra“ von der Rinnerhütte aus bedeutet, liegt er in diese Richtung fast zum Mitnehmen auf dem Weg, mit nur 150 Höhenmeter von der Weggabelung zum Offensee, was knapp unter 20 Minuten Gehzeit entspricht.

Hier gönnen wir uns eine richtig schöne Pause mit Blick auf den klaren Bergsee tief unter uns. Ein von der Hochkogelhütte mitgenommer und liebevoll mit handschriftlicher Notiz eingepackter Mohnkuchen sorgt für Stärkung. Wir liegen gut in der Zeit, was uns motiviert, rasch zum Wildensee abzusteigen und doch noch einen Sprung ins kühle Nass einzulegen.
 

Wie richtig diese Entscheidung war, merken wir danach, denn der Weg über die Wildenseehütte erscheint endlos und das Appelhaus versteckt sich hartnäckig, bis ich gar nicht mehr daran glaube, dass es dieses gibt. Ungläubig wie bei Hänsel und Gretel stehen wir dann doch auf einmal vor dem (Knusper)Häuschen. Unsere Mägen knurren. Es ist 17:00 Uhr und der Tag gefühlt schon extrem lange. Umso mehr freuen wir uns, dass vor 18 Uhr Abendessen serviert wird – und als könnten Sie meine Gedanken lesen, gibt es Linsen mit einem (riesen) Knödel.

Den heutigen Tag beenden wir sehr früh, da wir großen Gefallen am „Vor dem Frühstück-Gipfel“ gefunden haben. Für morgen ist der Woising geplant, bei dem wir tendenziell eher nicht so viel Zeit aufholen können, wie beim Klettersteigen.

Tag 3 im Detail: Appel-Haus-Woising-Abstieg
 

Wieder 5:30 Uhr Tagwache. Etwas langsamer als am Vortag beim In-die-Gänge-Kommen starten wir um 6:15 Uhr. Die Luft ist angenehm kühl, den Einstieg hatten wir gestern abend schon erkundet und so marschieren wir entschlossen los. Der Weg zu Beginn flach, zielstrebig direkt auf unser Ziel zu, das sich aber hartnäckig versteckt. Die Route ist gut gekennzeichnet, mit Bodenmarkierungen und Schildern, und nach einem Dschungel-Camp-Pfad stehen wir am Fuße unseres letzten Gipfel-Ziels, dem Woising. Vor uns: etwas 400 Höhenmeter auf weniger als 4 Kilometern (Hinweg) – unsere Stärke :-)

 

Ein Sonnenaufgangs-Wanderer begegnet uns in seinem Abstieg, und als wir nach 1h45min. stolz für das Gipfelkreuz-Selfie posieren, haben wir das breite Plateau für uns alleine. Herausforderend lächelt uns eine imposante Felswand an – die wir mit dem Handy als Zwölferhorn identifizieren. Meine Freundin grinst ungläubig – war sie doch vor wenigen Wochen dort oben!

 

Da es etwas windig ist, halten wir die Pause kurz und nach dem letzten Bissen Käsebrot von Anne steigen wir ab. Als wir um 9:30 Uhr das Appel-Haus erreichen (nach ca. 2h 45min. reiner Gehzeit) ist, wie angekündigt, das Frühstücks-Buffett schon abgeräumt. Wir gönnen uns einen Kaffee sowie ich ein Stück Apfelkuchen, dann geht es vorfreudig auf (das Mittagessen) zur Rinnerhütte. Zuerst über das bekannte Wegstück zum Wildensee, den wir heute zugunsten des Offensees links liegen lassen, vor allem auch, weil wir Meter machen wollen. Punkt 12:00 Uhr erreichen wir – die soweit ich weiß neu übernommene – Rinnerhütte, bei der mich das (einzige) vegetarische Hauptgericht – sehr köstliche Krautfleckerl erfreut. Und stärkt. Der Abstieg (den ich von früheren Touren kenne) ist lang – der Offensee ziert sich im Näher-Kommen, für fast zwei Stunden.

 

So bleibt leider keine Zeit für das heiß ersehnte Abtauchen, da ich das Wandertaxi vorab bestellen musste (und dachte, wir seien schneller) - und das war diesmal etwas eine Herausforderung. Und zwar einerseits für mich – da es hier in der Gegend extrem viele Funklöcher gibt (beim Appel-Haus für manche Handynetzte eine Stelle mit Empfang, für A1). Und vor allem die Taxifahrer (die ein anderes, schlechteres Netz haben). Zwar erreiche ich die Zentrale und gib Bescheid, dass wir zehn Minuten später als geordet eintreffen werden, allerdings können diese die Fahrerin nicht erreichen – und Funk haben sie keinen. Als wir neun Minuten nach halb beim Taxiplatz stehen, wartet niemand auf uns. Und so müssen wir weitere 35 Minuten warten, bis ein 2. Fahrer erscheint, Zeit, die wir lieber im See verbracht hätten. Den Zug haben wir dann auch verpasst, was uns weitere 50 Minuten Wartezeit beschert. Wir nutzen die Zeit, um die Fotos der herrlichen Touren-Tage zu sichten und blicken mit Freude und stolz auf 5 Gipfel und eine 2. Tolle und grundsätzlich gut gelungene Öffi-Tour zurück!

 

 

 

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